Wenn Warendorf Kopf steht: Die Geschichte, Bräuche und Kirmes des Fettmarktes

Kaum ein Fest verbindet in Warendorf Geschichte, Handel, Geselligkeit und Kirmesvergnügen so eindrucksvoll wie der Fettmarkt. Was heute für viele Besucher vor allem nach Karussells, gebrannten Mandeln, Trödelständen, Töttchen und einem großen Höhenfeuerwerk klingt, begann vor fast 370 Jahren als ganz anderes Ereignis: als Markt für Vieh und landwirtschaftliche Güter.

Aus einem wirtschaftlich wichtigen Viehmarkt entwickelte sich über die Jahrhunderte ein großes Volksfest, das längst weit über die Grenzen Warendorfs hinaus bekannt ist. Der Fettmarkt-Mittwoch ist dabei bis heute der eigentliche Höhepunkt. Schon früh am Morgen füllt sich die Altstadt mit Trödlern und Schnäppchenjägern, während auf der Linnenwiese der Kram- und Landwirtschaftsmarkt beginnt und auf der Kirmes die Fahrgeschäfte weiter für Unterhaltung sorgen.

Gerade diese Verbindung von alter Markttradition und moderner Kirmeskultur macht den Warendorfer Fettmarkt zu etwas Besonderem.

Der Ursprung des Fettmarktes reicht bis ins Jahr 1657 zurück

Die Geschichte des Warendorfer Fettmarktes beginnt im 17. Jahrhundert. Am 3. Februar 1657 erhielt die Stadt Warendorf durch eine Urkunde des münsterschen Fürstbischofs Christoph Bernhard von Galen das Recht, einen freien und für jedermann zugänglichen Viehmarkt abzuhalten.

Die Entstehung des Marktes stand dabei wahrscheinlich auch im Zusammenhang mit den wirtschaftlichen Folgen des Dreißigjährigen Krieges. Das regionale Wirtschaftsleben war schwer geschädigt worden, und ein großer frei zugänglicher Markt sollte dazu beitragen, Handel und wirtschaftliche Aktivitäten wieder anzukurbeln.

Ursprünglich standen vor allem Tiere sowie Waren für die Landwirtschaft im Mittelpunkt. Der Markt war damit kein Vergnügungsfest im heutigen Sinne, sondern hatte eine ganz konkrete wirtschaftliche Bedeutung.

Für die Bevölkerung in und um Warendorf war der Markttag dennoch viel mehr als nur ein Ort zum Kaufen und Verkaufen. Wenn Bauern aus der Umgebung mit ihrem Vieh in die Stadt kamen, wurde der Markt gleichzeitig zum wichtigen gesellschaftlichen Treffpunkt. Geschäfte wurden abgeschlossen, Neuigkeiten ausgetauscht und natürlich auch gegessen und getrunken.

Aus dieser Mischung von Handel und Geselligkeit sollte sich im Laufe der Jahrhunderte die besondere Atmosphäre des Fettmarktes entwickeln.

Woher kommt eigentlich der Name „Fettmarkt“?

Der Name klingt heute zunächst ungewöhnlich. Mit einem „fetten“ Markt im Sinne einer besonders üppigen Veranstaltung hat er jedoch nichts zu tun.

Der Begriff steht vielmehr im Zusammenhang mit dem fetten Vieh, das nach der sommerlichen Mast im Herbst zum Verkauf angeboten wurde. Die Bauern konnten auf diese Weise mit dem Verkauf ihrer Tiere Geld erwirtschaften und anschließend Dinge beschaffen, die sie für den kommenden Winter benötigten.

Die Bezeichnung „Fettmarkt“ ist nach Angaben des Heimatvereins erstmals 1824 belegt. Sie wird dem damaligen Warendorfer Bürgermeister Johann Caspar Schnösenberg zugeschrieben.

Damit steckt bereits im Namen ein Stück Wirtschaftsgeschichte: Der Fettmarkt war ursprünglich ein Markt, der stark vom bäuerlichen Jahresrhythmus geprägt war. Nach der Ernte und der sommerlichen Mast begann im Herbst eine Zeit, in der Tiere verkauft und Einnahmen in notwendige Anschaffungen umgesetzt wurden.

Vom Viehmarkt zum überregionalen Handelsplatz

Der Fettmarkt blieb nicht lange auf Vieh beschränkt. Im Laufe des 19. Jahrhunderts nahm er zunehmend den Charakter eines großen Marktes für unterschiedlichste Waren an.

Neben Tieren wurden landwirtschaftliche Produkte und Geräte, Haushaltsgegenstände und zahlreiche weitere Güter angeboten. Händler aus der weiteren Umgebung kamen nach Warendorf, um ihre Waren zu verkaufen. Damit wurde der Fettmarkt zu einem bedeutenden überregionalen Handelsplatz.

Das führte allerdings auch zu Konflikten. Die ortsansässigen Handwerker und Kaufleute sahen die auswärtige Konkurrenz nicht immer gerne. Nach den historischen Angaben des Heimatvereins versuchte die örtliche Wirtschaft zeitweise, fremde Händler durch Vorschriften und Gebühren einzuschränken. Selbst auswärtige Schmiede, Goldschmiede und Zinngießer mussten sich mit Einschränkungen arrangieren.

Der Fettmarkt zeigt damit sehr deutlich, welche Bedeutung Märkte früher für eine Stadt besaßen: Sie waren gleichzeitig Wirtschaftsraum, Begegnungsort und Schaufenster für Waren und Handwerk.

Vier Märkte mitten in der Stadt

Das historische Marktgeschehen spielte sich nicht nur an einem einzigen Platz ab. Die Warendorfer Innenstadt war in das Geschehen unmittelbar einbezogen.

Nach Angaben der Stadt prägten damals unter anderem der Krickmarkt, der Schweinemarkt, der Heumarkt und der Marktplatz das Marktgeschehen.

Historische Erinnerungen vermitteln einen besonders anschaulichen Eindruck davon, wie umfassend der Fettmarkt einst die Stadt beherrschte. In den 1920er Jahren fanden Viehmarkt und Kirmes auf dem Wilhelmsplatz statt, während sich Händlerstände entlang der Münsterstraße reihten und auf dem Marktplatz landwirtschaftliche Produkte wie Kartoffeln und Kappes angeboten wurden.

Warendorf wurde an diesen Tagen damit gewissermaßen selbst zum Marktgelände.

Wenn aus dem Markttag ein Fest wird

Handel allein erklärt jedoch nicht, warum sich der Fettmarkt zu einem derart starken Bestandteil des Warendorfer Brauchtums entwickeln konnte.

Schon seit längerer Zeit gehörten Unterhaltung und Vergnügen zum Marktgeschehen. Der Heimatverein beschreibt, dass im 20. Jahrhundert neben dem landwirtschaftlich geprägten Markt auch Kirmes und Trödelmarkt für Abwechslung sorgten.

Damit entstand eine Kombination, die bis heute erhalten geblieben ist:

Markt + Trödel + Kirmes + Essen + Geselligkeit.

Aus dem ursprünglich wirtschaftlich motivierten Markttag wurde ein Fest für die gesamte Stadt und ihre Besucher.

Die Kirmes – heute das große Vergnügen des Fettmarktes

Für viele Besucher ist die Fettmarkt-Kirmes heute der spektakulärste Teil des gesamten Festes.

Wo einst Vieh gehandelt wurde, drehen sich nun moderne Fahrgeschäfte, Kinderkarussells und zahlreiche weitere Attraktionen. Dazu kommen Spielgeschäfte, Imbissstände und Verkaufsstände. Die heutige Kirmes erstreckt sich über den Bereich Linnenwiese, Lohwall und Wilhelmsplatz sowie angrenzende Bereiche der Innenstadt.

Die Kirmes ist dabei nicht lediglich ein zusätzliches Angebot zum Fettmarkt. Sie ist zu einem festen Bestandteil der Veranstaltung geworden. Die Stadt Warendorf bezeichnet Unterhaltung und Kirmesvergnügen ausdrücklich als einen Schwerpunkt des heutigen Fettmarktes.

Kirmesvergnügen hatte schon früher seinen festen Platz

Besonders spannend wird die Geschichte der Fettmarkt-Kirmes, wenn man in persönliche Erinnerungen aus vergangenen Jahrzehnten eintaucht.

Eugenie Haunhorst, die in Warendorf aufwuchs, erinnerte sich an den Fettmarkt der 1920er Jahre als einen Höhepunkt ihrer Kindheit. Für sie war die Kirmes das eigentliche große Ziel des Tages.

Schon damals gab es ein Kinderkarussell mit bunt bemalten Pferden. Interessant ist, dass die Technik noch längst nicht dem heutigen Standard entsprach: Nach ihrer Erinnerung wurde das Karussell von einem Pferd angetrieben, das den ganzen Tag um die Mittelachse lief. Erst gegen Ende der 1920er Jahre setzte sich der elektrische Antrieb durch.

Auch andere Fahrgeschäfte sorgten für Nervenkitzel. Beschrieben werden unter anderem eine „Kaffeemühle“, eine große drehende Scheibe, eine Schiffschaukel und natürlich das Kettenkarussell.

Gerade letzteres muss für die Kinder damals eine besondere Attraktion gewesen sein. Aus den hoch schwingenden Sitzen konnte man über den Kirmesplatz schauen und sogar die eigene Stadt überblicken.

Kirmesgeld gehörte zum Erlebnis

Eine besonders schöne Erinnerung aus dieser Zeit ist das Kirmesgeld.

Kinder bekamen von ihren Eltern einen kleinen Betrag, der ausschließlich für das Vergnügen auf dem Fest bestimmt war. In den Erinnerungen von Eugenie Haunhorst waren es 50 Pfennig von den Eltern; durch einen Besuch bei Verwandten kam noch einmal derselbe Betrag dazu. Eine ganze Mark war damals ein kleines Vermögen, das für mehrere Fahrten reichen musste.

Diese Erinnerung zeigt, dass die Kirmes schon vor rund hundert Jahren ein generationsübergreifendes Erlebnis war. Erwachsene erledigten ihre Geschäfte, während Kinder ihren eigenen kleinen Festtag hatten.

Die „Kirmeskinder“ von Warendorf

Zur historischen Kirmes gehörten außerdem die Schaustellerfamilien und ihre Kinder.

Eugenie Haunhorst erinnerte sich daran, dass die „Kirmeskinder“ während ihres Aufenthaltes in Warendorf sogar die örtliche Schule besuchten. Für die Warendorfer Kinder waren diese Jungen und Mädchen etwas Besonderes – schließlich gehörten sie zu jener faszinierenden Welt, die nur für kurze Zeit mit ihren Karussells und Buden in die Stadt kam.

Das ist ein schönes Beispiel dafür, wie eng Kirmes und Alltag früher miteinander verbunden waren. Die Schausteller waren nicht nur Menschen, die ihre Geschäfte aufbauten und einige Tage später wieder weiterzogen. Sie wurden für die Dauer des Festes zu einem sichtbaren Teil des Stadtlebens.

Kirmes zwischen Tradition und Moderne

Die heutige Fettmarkt-Kirmes hat sich technisch und hinsichtlich ihrer Fahrgeschäfte natürlich stark verändert. Aus handbetriebenen oder von Tieren bewegten Karussells wurden moderne Anlagen mit aufwendiger Lichttechnik, Musik und teilweise hoher Geschwindigkeit.

Geblieben ist jedoch das Grundprinzip: Menschen kommen zusammen, um einige Stunden dem Alltag zu entfliehen.

Die Kirmes bietet dabei etwas für unterschiedliche Generationen. Kinder finden ihre Karussells, Jugendliche suchen Nervenkitzel, Familien nutzen die speziellen Angebote des Familientages und Erwachsene treffen sich zwischen Fahrgeschäften, Gastronomie und Buden.

Am Fettmarkt-Montag steht heute ausdrücklich die Familie im Mittelpunkt. Die Schausteller bieten zahlreiche Vergünstigungen und Aktionen an. Am Dienstagabend gehört außerdem das große Höhenfeuerwerk zum festen Ablauf der Kirmestage.

Der Fettmarkt Mittwoch – der eigentliche Brauchtumstag

So groß die Kirmes inzwischen auch ist: Der besondere Charakter des Warendorfer Fettmarktes zeigt sich vor allem am Mittwoch.

Der Fettmarkt-Mittwoch ist der traditionelle Höhepunkt. Frühmorgens beginnt der große Altstadttrödel, während auf der Linnenwiese der Kram- und Landwirtschaftsmarkt startet. Hinzu kommen Tiererlebnisse und weitere Angebote.

Das Besondere daran ist die Verbindung aus Vergangenheit und Gegenwart.

Wer morgens durch die Warendorfer Altstadt läuft, erlebt nicht einfach nur einen großen Flohmarkt. Die Veranstaltung erinnert zugleich an die ursprüngliche Funktion des Fettmarktes als Handelsplatz.

Heute werden auf dem Trödelmarkt zwar vor allem gebrauchte und private Gegenstände angeboten. Historisch betrachtet passt dieser Handel aber erstaunlich gut zum Grundgedanken des Fettmarktes: Menschen kommen zusammen, um Dinge anzubieten, zu kaufen, zu tauschen und Geschäfte zu machen.

Der frühe Start der Schnäppchenjäger

Der Altstadttrödel besitzt inzwischen seinen ganz eigenen Mythos.

Der Heimatverein berichtet, dass eingefleischte Fettmarkt-Fans früher bereits vor 6 Uhr morgens, teilweise mit Taschenlampen, nach besonderen Stücken suchten. Die besten Schnäppchen und seltenen Fundstücke gingen schließlich an diejenigen, die am frühesten unterwegs waren.

Damit wurde aus einem normalen Trödelmarkt eine regelrechte Schatzsuche.

Auch heute beginnt der Altstadttrödel bereits am frühen Morgen und zieht sich durch große Teile der Innenstadt. Für viele Besucher gehört gerade diese besondere Atmosphäre zum Fettmarkt wie die Kirmes auf der Linnenwiese.

Vom „Kram“ bis zur Landwirtschaft

Parallel zum Trödelmarkt hat der Fettmarkt-Mittwoch seinen landwirtschaftlichen Charakter bewahrt.

Auf dem Kram- und Landwirtschaftsmarkt werden unterschiedlichste Waren angeboten. Die Stadt nennt unter anderem Haushaltsgegenstände, Miederwaren, Gewürze, Putzmittel und Lederwaren. Auch landwirtschaftliche Produkte gehören zum Angebot.

Tiererlebnisse erinnern ebenfalls an die bäuerlichen Wurzeln der Veranstaltung. Heute geht es dabei vor allem um das Erlebnis und die Präsentation von Bauernhoftieren; der ursprüngliche Viehhandel spielt dagegen nur noch eine sehr untergeordnete Rolle.

Die Stadt Warendorf weist darauf hin, dass der historische Großviehhandel inzwischen nicht mehr den Charakter des Fettmarktes bestimmt.

Töttchen – der Geschmack des Fettmarktes

Zu einem echten Fettmarkt gehört für viele Warendorfer noch etwas anderes: Töttchen.

Das traditionelle Gericht ist eng mit dem Fettmarkt verbunden. Laut einer historischen Darstellung des Heimatvereins begann mit der kalten Jahreszeit traditionell die Schlachtsaison. Dabei wurden alle Teile eines geschlachteten Tieres verwertet. Fleisch vom Kopf und weiteres Kleinfleisch wurde zusammen mit Beinfleisch, Zwiebeln, Gewürzen und etwas Essig zu einem kräftigen Ragout verarbeitet.

Ursprünglich galt Töttchen als einfache beziehungsweise eher arme Leute zugeschriebene Speise. Im Laufe der Zeit wurde es jedoch zu einer regionalen Spezialität.

Am Fettmarkt gehörte Töttchen traditionell zu den stärkenden Speisen für die Besucher. Historische Erinnerungen berichten davon, dass Bauern nach ihrer Ankunft in Warendorf zunächst in eine Gastwirtschaft einkehrten und sich mit einer Portion Töttchen stärkten, bevor sie ihren Rundgang über den Viehmarkt begannen.

So wurde das Gericht selbst zum Teil des Brauchtums.

Der Schnaps zum Geschäft beim Fettmarkt

Auch der Schnaps gehörte früher fest zum Fettmarktgeschehen.

Nach den Erinnerungen, die der Heimatverein dokumentiert hat, wurde ein Viehgeschäft traditionell mit einem Schnaps besiegelt. Auch zum Töttchen gehörte der kräftige Schluck für viele Besucher selbstverständlich dazu. In Warendorf wurde der Schnaps teilweise in sogenannten Huildöppkes ausgeschenkt, kleinen Gläsern mit einem Fassungsvermögen von etwa 2,5 Zentilitern.

Heute ist diese Form der Trinkkultur selbstverständlich nicht mehr mit dem historischen Marktgeschehen gleichzusetzen. Als überlieferte Erinnerung erzählt sie aber viel über die sozialen Rituale, die früher zu einem Markttag gehörten.

Der Fettmarkt war eben nicht nur ein Ort für Geschäfte. Er war ein gesellschaftliches Ereignis.

Verkaufen und sofort wieder einkaufen

Eine weitere Besonderheit des historischen Fettmarktes bestand darin, dass das Geld aus dem Viehverkauf oftmals unmittelbar wieder in den Wirtschaftskreislauf floss.

Die Bauern verkauften ihre Tiere und nutzten die Einnahmen anschließend, um Hausrat, Kleidung und andere Dinge für den Winter einzukaufen. Historische Erinnerungen nennen beispielsweise Winterkleidung, Betten oder Haushaltsgegenstände.

Damit konnte ein einziger Markttag für eine Bauernfamilie wirtschaftlich eine enorme Bedeutung haben.

Der Fettmarkt war also gewissermaßen ein großer saisonaler Einkaufstag: erst verkaufen, dann einkaufen – und zwischendurch Kirmes, Essen und Geselligkeit.

Auch der Kappes gehörte zum Fettmarkt

Heute denkt man beim Fettmarkt wohl eher an Trödel und Kirmes. Früher spielte jedoch auch der Einkauf von Lebensmitteln eine wichtige Rolle.

In den Erinnerungen von Eugenie Haunhorst wird beispielsweise ausführlich vom Verkauf von Kappes und Kartoffeln berichtet. Die Familie kaufte größere Mengen ein, um anschließend zu Hause Sauerkraut herzustellen. Selbst die notwendige Sauerkrautschabe wurde für einige Stunden ausgeliehen.

Der Fettmarkt wirkte damit weit über den eigentlichen Festtag hinaus. Einkäufe, die dort getätigt wurden, bestimmten teilweise die Arbeit und Versorgung der Familien für Wochen oder sogar den gesamten Winter.

Was vom alten Fettmarkt geblieben ist

Der Fettmarkt hat sich im Laufe von fast vier Jahrhunderten enorm verändert.

Der Viehhandel, der einst im Zentrum stand, ist heute kaum noch prägend. Stattdessen stehen Kirmes, Altstadttrödel, Kram- und Landwirtschaftsmarkt, Gastronomie und gemeinsames Feiern im Vordergrund. Die Stadt selbst beschreibt den heutigen Fettmarkt als moderne Traditionsveranstaltung, die ihre historischen Wurzeln dennoch nicht verleugnet.

Gerade darin liegt die besondere Stärke des Festes.

Die Tradition wird nicht dadurch bewahrt, dass alles exakt so bleibt wie vor 100 oder 300 Jahren. Sie lebt vielmehr weiter, indem sich die Veranstaltung verändert und gleichzeitig bestimmte Elemente erhalten bleiben.

Der Fettmarkt-Mittwoch ist weiterhin der große Markt- und Brauchtumstag. Töttchen gehört nach wie vor zur kulinarischen Erinnerung. Die Altstadt wird erneut zum Treffpunkt. Und auf dem Kirmesplatz drehen sich weiterhin die Karussells.

Fast 370 Jahre Fettmarkt – und die Kirmes mittendrin

Vom Viehmarkt des Jahres 1657 bis zur heutigen Fettmarkt-Kirmes war es ein langer Weg.

Die Entwicklung lässt sich dabei fast wie eine Geschichte des gesellschaftlichen Wandels lesen:

1657: Der Markt entsteht als freier Viehmarkt und soll Handel und Wirtschaft beleben.
19. Jahrhundert: Aus dem Viehmarkt wird zunehmend ein umfangreicher Handelsmarkt.
20. Jahrhundert: Landwirtschaftlicher Handel, Trödel und Kirmes prägen das Erlebnis.
Heute: Die Kirmes ist ein zentraler Publikumsmagnet, während Fettmarkt-Mittwoch, Altstadttrödel sowie Kram- und Landwirtschaftsmarkt die historische Identität bewahren.

Gerade die Kirmes zeigt, wie selbstverständlich sich Tradition und moderne Volksfestkultur miteinander verbinden können.

Denn während die Waren und Fahrgeschäfte wechseln, bleibt das eigentliche Prinzip erstaunlich konstant: Man trifft sich in Warendorf, man erlebt etwas gemeinsam, man handelt, man isst, man feiert – und für ein paar Tage steht die Stadt ganz im Zeichen des Fettmarktes.

Warendorfer Fettmarkt: Ein Stück lebendige Stadtgeschichte

Vielleicht ist es genau das, was den Fettmarkt so besonders macht.

Er ist weder nur Kirmes noch nur Markt. Er ist weder reines Volksfest noch ausschließlich historisches Brauchtum. Der Warendorfer Fettmarkt ist eine Veranstaltung, in der mehrere Jahrhunderte Stadtgeschichte gleichzeitig sichtbar werden.

Auf der einen Seite stehen die modernen Fahrgeschäfte der Fettmarkt-Kirmes, die leuchtenden Buden und das Höhenfeuerwerk. Auf der anderen Seite erinnern der Altstadttrödel, der Kram- und Landwirtschaftsmarkt, das Töttchen und die überlieferten Geschichten an die Zeit, in der Viehhandel und landwirtschaftlicher Bedarf den Charakter des Marktes bestimmten.

Und genau deshalb gehört der Fettmarkt zu den Veranstaltungen, bei denen die Vergangenheit nicht im Museum verschwindet, sondern jedes Jahr aufs Neue mitten in Warendorf lebendig wird.

Wenn im Herbst die Karussells auf der Linnenwiese anlaufen, die ersten Trödler ihre Stände aufbauen und der Duft von Töttchen durch die Stadt zieht, beginnt in Warendorf eine Tradition, deren Wurzeln bis in das Jahr 1657 zurückreichen – und deren Kirmes heute ein fester Bestandteil dieser außergewöhnlichen Geschichte ist.

Quellen


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